Drückt bei heftigem Regen Wasser aus Bodenablauf oder Dusche im Keller nach oben, steckt dahinter meist ein Rückstau aus dem öffentlichen Kanalnetz. Eine Rückstauklappe stoppt dieses zurückdrängende Wasser – allerdings nur bei fachgerechter Montage und regelmäßiger Pflege. In diesem Ratgeber lesen Sie, welche Bedingungen gegeben sein müssen, welche Vorgaben die Normen DIN EN 13564, DIN 1986-100 und DIN EN 752 machen, wann sich ein senkrechter Einbau anbietet – und in welchen Fällen eine Hebeanlage die bessere Lösung darstellt.
Wodurch Rückstau entsteht
Das kommunale Kanalnetz ist auf übliche Abwassermengen ausgelegt. Bei Starkregen oder einer weiter unten liegenden Verstopfung steigt jedoch der Wasserstand im Kanal. Klettert er über die sogenannte Rückstauebene, drückt das Abwasser rückwärts in die Hausleitung und tritt an der tiefsten offenen Stelle aus. Im Keller ist das meist der Bodenablauf oder die bodengleiche Dusche.
Der zentrale Begriff ist dabei die Rückstauebene. Sie befindet sich im Regelfall auf Höhe der Straßenoberkante am Anschlusspunkt, soweit die kommunale Satzung keine abweichende Regelung trifft. Was unterhalb dieser Linie an das Kanalnetz angebunden ist, gilt als rückstaugefährdet und verlangt eine Absicherung. Entwässerungsstellen oberhalb der Rückstauebene fließen über das natürliche Gefälle frei ab und sind nicht gefährdet.
Muss ich eine Rückstausicherung einbauen?
Eine einheitliche, bundesweite Einbaupflicht existiert nicht. Entscheidend ist die Entwässerungssatzung der jeweiligen Kommune – und ein Großteil der Satzungen in NRW verlangt, dass der Grundstückseigentümer selbst für seinen Schutz gegen Rückstau zu sorgen hat. In der Praxis kommt das einer Pflicht gleich: Wer Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene nutzt, muss sie absichern.
Nicht zu unterschätzen ist die versicherungsrechtliche Seite. Entsteht ein Rückstauschaden und fehlte eine funktionstüchtige Sicherung oder blieb die Wartung aus, kürzen Versicherer die Entschädigung oft oder verweigern sie ganz. Den Nachweis muss der Eigentümer führen. Eine Rückstausicherung ist deshalb faktisch verpflichtend, sobald rückstaugefährdete Ablaufstellen vorliegen.
Die zentralen Normen im Überblick
Mehrere Normen regeln den Rückstauschutz in unterschiedlichen Bereichen: das Produkt selbst sowie die Planung innerhalb und außerhalb des Gebäudes. Wer die dahinterliegende Systematik kennt, kann regelkonforme und unzulässige Lösungen zuverlässig unterscheiden.
DIN EN 13564 – der Rückstauverschluss selbst
DIN EN 13564-1 ordnet Rückstauverschlüsse nach Typen und Einsatzgebieten. Maßgeblich ist, ob fäkalienhaltiges oder fäkalienfreies Abwasser abgeführt wird und wie viele selbsttätige Verschlüsse samt Notverschluss vorhanden sind. Für WCs und andere fäkalienführende Anschlüsse gelten strengere Typen als für einen bloßen Bodenablauf. Zudem legt die Norm die Prüfanforderungen fest, nach denen ein Hersteller seinen Verschluss kennzeichnet.
DIN 1986-100 und DIN EN 12056 – die Planung
DIN EN 12056 und die ergänzende DIN 1986-100 bestimmen, wie die Grundstücksentwässerung innerhalb des Gebäudes geplant wird. Sie schreiben vor, dass Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene abgesichert werden müssen – und zwar bevorzugt mittels einer Abwasserhebeanlage, die das Abwasser über eine Schleife über die Rückstauebene hebt. Rückstauverschlüsse sind nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
DIN EN 752 – außerhalb des Gebäudes
DIN EN 752 befasst sich mit der Entwässerung außerhalb von Gebäuden, also mit der Grundstücksleitung bis zum öffentlichen Kanal. Sie bildet den Rahmen für die Gesamtbetrachtung: Von welcher Rückstauhöhe ist auszugehen und wie ist der Anschluss ausgelegt. Für die Auswahl der passenden Sicherung im Haus darf dieser äußere Zusammenhang nicht außer Acht gelassen werden.
Welche Norm welchen Bereich abdeckt
| Norm | Bereich | Kernaussage |
|---|---|---|
| DIN EN 13564 | Produkt | Typen und Prüfung von Rückstauverschlüssen |
| DIN 1986-100 / EN 12056 | Planung im Gebäude | Hebeanlage bevorzugt, Verschluss nur bedingt |
| DIN EN 752 | außerhalb Gebäude | Grundstücksentwässerung bis zum Kanal |
Vereinfachte Übersicht, Stand 2026
Rückstauklappe oder Hebeanlage – was ist wann richtig?
Die DIN 1986-100 führt vier Grundbedingungen auf, unter denen ein Rückstauverschluss statt einer Hebeanlage überhaupt erlaubt ist. Treffen nicht alle zu, kommt man um eine Abwasserhebeanlage kaum herum. Eine mechanische Rückstauklappe ist zwar unkomplizierter und preiswerter, sie schützt jedoch lediglich – fördern kann sie nicht.
- Zum Kanal besteht Gefälle, das Abwasser fließt also auf natürliche Weise ab.
- Betroffen sind nur Räume untergeordneter Nutzung, deren Entwässerung bei Rückstau verzichtbar ist.
- Der betroffene Personenkreis ist überschaubar und kann die Toilette während eines Rückstaus umgehen.
- Der Rückstauverschluss passt zur Abwasserart und bleibt für die Wartung zugänglich.
Rückstauklappe im Vergleich zur Hebeanlage
Rückstauklappe
- Preiswerter und leichter nachzurüsten
- Setzt Gefälle zum Kanal voraus
- Während Rückstau kein Ablauf möglich
- Nur bei untergeordneter Raumnutzung erlaubt
Abwasserhebeanlage
- Fördert aktiv über die Rückstauebene
- Ableitung auch während Rückstau möglich
- Pflicht bei fäkalienführenden Wohnräumen im Keller
- Höherer Aufwand und Stromanschluss nötig
Einbaubedingungen und der senkrechte Einbau
Damit eine Rückstauklappe zuverlässig abdichtet, muss die Einbaulage passen. Die meisten Klappen sind für den waagerechten Einbau in der liegenden Leitung ausgelegt und müssen gemäß Herstellervorgabe lagerichtig sitzen. Für das Nachrüsten in ein bestehendes Fallrohr oder einen Schacht gibt es spezielle Ausführungen, die für den senkrechten Einbau freigegeben sind.
Wichtig ist: Nicht jede Klappe darf senkrecht montiert werden. Wird ein waagerechter Verschluss stehend eingebaut, schließt die Klappe eventuell nicht einwandfrei oder der Notverschluss arbeitet nicht. Werfen Sie deshalb stets einen Blick in die Einbauanleitung des jeweiligen Produkts. Außerdem muss die Einbaustelle dauerhaft erreichbar bleiben, denn ohne regelmäßige Kontrolle verliert jede Sicherung ihren Nutzen.
So verläuft eine fachgerechte Nachrüstung
- Bestand erfassenZunächst wird festgestellt, welche Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene liegen und wie die Leitung verläuft. Häufig hilft eine Kanal-TV-Untersuchung, um den Zustand zu erkennen und den passenden Einbauort zu finden.
- Verschlusstyp und Lage festlegenAbhängig von Abwasserart und baulicher Gegebenheit wird der passende Typ nach DIN EN 13564 ausgewählt – und entschieden, ob ein waagerechter Einbau in der Leitung oder eine Ausführung für den senkrechten Einbau erforderlich ist.
- Einbaustelle herrichtenAn der vorgesehenen Stelle wird die Leitung freigelegt, gereinigt sowie auf Gefälle und Zustand überprüft. Bei beschädigten Rohren ist vorher eine Sanierung nötig, sonst sitzt der Verschluss nicht dicht.
- Verschluss einsetzen und abdichtenDer Rückstauverschluss wird lagerichtig nach Herstellervorgabe eingebaut und fachgerecht abgedichtet. Zugang und Deckel müssen für die spätere Wartung frei zugänglich bleiben.
- Funktion testen und dokumentierenAbschließend werden Klappe und Notverschluss auf ihre Funktion geprüft. Einbau und Prüfung werden festgehalten – das dient später als Beleg gegenüber der Versicherung.
Wartung – woran es meist hakt
Eine Rückstauklappe muss regelmäßig gewartet werden. Fett und Ablagerungen setzen sich an der Dichtkante fest, sodass die Klappe im Ernstfall nicht mehr vollständig schließt. Dann versagt die Sicherung genau bei Rückstau.
Für automatische Rückstauverschlüsse mit fäkalienhaltigem Abwasser ist eine wiederkehrende Wartung durch eine fachkundige Person vorgesehen, in der Regel zweimal jährlich. Bei einfacheren Ausführungen reicht eine seltenere Kontrolle, die aber ebenfalls regelmäßig stattfinden sollte. Säubern Sie die Dichtflächen, prüfen Sie, ob sich die Klappe frei bewegt, und betätigen Sie den Notverschluss zur Überprüfung.
Woran Sie die Funktion ablesen
Die meisten Rückstauschäden, die uns begegnen, entstehen durch Klappen, die seit Jahren niemand mehr geöffnet und geprüft hat.





