Wer eine Kanal-TV-Inspektion in Auftrag gibt, möchte in der Regel Klarheit: Was verbirgt sich hinter der Wand oder unter der Bodenplatte – und bleibt die Rechnung nachvollziehbar? Die Kamerabefahrung ist häufig der erste Schritt, noch bevor über Reinigung oder Sanierung entschieden wird. Dieser Ratgeber zeigt kompakt, wie eine TV-Inspektion abläuft, welche Punkte den Preis tatsächlich bestimmen und wie die Dichtheitsprüfung dazugehört. So lässt sich ein Angebot einordnen, statt nur Zahlen gegenüberzustellen.
Kanal-TV-Inspektion – was ist das?
Bei der Kanal-TV-Inspektion – auch Kamerabefahrung oder TV-Untersuchung genannt – wird eine kleine, wasserdichte Kamera durch die Abwasserleitung geschoben. Sie überträgt ein Livebild auf einen Monitor, sodass der Fachmann den Rohrzustand von innen beurteilen kann, ganz ohne Aufgraben. Das Ganze wird meist als Video mit Meterangabe aufgezeichnet, damit jede Auffälligkeit später exakt auffindbar bleibt.
Häufige Befunde: - Verjüngungen durch Ablagerungen, Fett oder Wurzeleinwuchs - Risse und Rohrbrüche - verschobene Muffen Gerade in älteren Häusern im Bergischen Land mit teils jahrzehntealten Grundleitungen ist die Kamera oft der einzige Weg, eine immer wiederkehrende Verstopfung an der Wurzel zu verstehen. Ohne Bild lässt sich die Ursache nicht sicher bestimmen.
So läuft die Kamerabefahrung ab
Von der Anfrage bis zum Befund
- Zugang findenDer Techniker sucht einen passenden Einstieg – etwa einen Revisionsschacht, eine Reinigungsöffnung oder den Ablauf selbst.
- Rohr vorbereitenBei starker Verschmutzung wird die Leitung vorab gereinigt oder gespült. Auf einer verfetteten Rohrwand erkennt die Kamera sonst kaum etwas.
- Kamera einführenDie Kamera wird Meter für Meter durch das Rohr geschoben, der Verlauf am Monitor live verfolgt und aufgezeichnet.
- Befund und OrtungAuffälligkeiten werden mit Meterangabe festgehalten, häufig lässt sich die Stelle von oben orten. Sie bekommen eine nachvollziehbare Einschätzung.
Je nach Länge und Zugänglichkeit dauert der gesamte Vorgang oft nur eine bis zwei Stunden.
Diese Punkte bestimmen den Preis
Einen festen Pauschalpreis für jede Kanal-TV-Inspektion gibt es nicht – deshalb bleiben telefonische Angaben nur grob. Der Preis richtet sich nach der Lage vor Ort. Hilfreicher als eine Zahl ist es zu wissen, welche Faktoren die Rechnung nach oben oder unten verschieben.
Preistreiber bei der Kanal-TV-Inspektion
| Was den Preis beeinflusst | Wirkung | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|
| Zugänglichkeit der Leitung | Fehlender Schacht oder enge Öffnung erhöhen den Aufwand | Kein Revisionsschacht sichtbar, Zugang nur über den Ablauf |
| Nötige Vorreinigung | Stark verschmutzte Rohre müssen erst gespült werden | Wiederkehrende Verstopfung, Geruch, langsamer Abfluss |
| Länge und Verlauf der Leitung | Mehr Meter und viele Bögen kosten mehr Zeit | Weitläufiges Grundstück, alte verzweigte Grundleitung |
| Notdienst / Uhrzeit | Einsätze außerhalb üblicher Zeiten sind aufwändiger | Akuter Rückstau am Wochenende oder nachts |
| Zusätzliche Dichtheitsprüfung | Eigenes Verfahren mit eigenem Aufwand | Anlass durch Verkauf, Bauamt oder Wasseraustritt |
Faktoren, die den Aufwand bestimmen – keine Preisangaben, da jeder Fall anders liegt.
Ein seriöses Angebot listet die Positionen getrennt auf: - Anfahrt - gegebenenfalls Reinigung - die eigentliche Befahrung - die Dokumentation Nennen Sie am Telefon die Leitungslänge, den vorhandenen Zugang und den Zustand – je genauer Ihre Schilderung, desto belastbarer die Einschätzung.
Kanal-TV-Inspektion und Dichtheitsprüfung – der Unterschied
TV-Inspektion und Dichtheitsprüfung werden oft gemeinsam genannt, sind aber zwei verschiedene Verfahren. Die Kamera zeigt Risse oder Ablagerungen an der Rohrwand. Ob eine Leitung wirklich dicht ist, also kein Abwasser ins Erdreich austritt, kann die Kamera allein nicht sicher klären. Genau dafür ist die Dichtheitsprüfung da, bei der die Leitung mit Wasser oder Luft unter definiertem Druck geprüft wird.
Zwei Verfahren, zwei Antworten
TV-/Kamera-Inspektion
- Zeigt den optischen Zustand von innen
- Findet Risse, Wurzeln, Ablagerungen, Verjüngungen
- Gut zur Ursachensuche bei Verstopfungen
- Liefert Video mit Meterangabe
Dichtheitsprüfung
- Prüft, ob die Leitung wirklich dicht ist
- Arbeitet mit Wasser- oder Luftdruck
- Oft bei Verkauf oder behördlicher Auflage gefragt
- Ergibt ein prüfbares Ergebnis
In der Praxis greifen beide ineinander: Die Kamera spürt die verdächtige Stelle auf, die Dichtheitsprüfung belegt, ob dort tatsächlich etwas austritt. Anlässe für eine Dichtheitsprüfung sind meist ein Hausverkauf, eine kommunale Auflage oder der konkrete Verdacht auf austretendes Abwasser – etwa bei feuchten Kellerwänden oder absackendem Boden über einer Leitung.
Wann sich die Inspektion besonders auszahlt
In bestimmten Fällen spart die TV-Inspektion Geld und Ärger, weil sie blindes Reparieren verhindert. Wer eine Leitung mehrmals im Jahr reinigen lässt, ohne dass sich etwas ändert, zahlt am Ende mehr als für eine einmalige Ursachensuche.
- Wiederkehrende Verstopfung trotz Reinigung – meist steckt eine Verjüngung, ein Rohrbruch oder Wurzeleinwuchs dahinter
- Feuchte oder muffige Kellerwände über oder neben einer Leitung
- Vor Kauf oder Verkauf einer Immobilie, um Überraschungen auszuschließen
- Bei Fettabscheidern und Hebeanlagen, wo Ablagerungen den Betrieb stören
- Nach Bauarbeiten oder Setzungen im Grundstück
Auch bei gewerblichen Anlagen wie Fettabscheidern oder Hebeanlagen leistet die Kamera gute Dienste: Sie zeigt, ob Zu- und Ableitungen frei sind und wo sich Fett oder Feststoffe absetzen. So lässt sich der Wartungsrhythmus am tatsächlichen Zustand ausrichten, statt starr nach Kalender zu reinigen.





